Was Straßenkatzen wirklich brauchen
Eine Schale Futter kann einen hungrigen Bauch füllen. Wasser kann gerade an heißen Tagen lebensnotwendig sein. Und ein Tier zum Tierarzt zu bringen, kann im Einzelfall ein Leben retten.
All das ist wichtig.
Doch wenn wir das Leid von Straßenkatzen langfristig verringern wollen, braucht es mehr als einzelne Hilfsaktionen. Es braucht Strukturen und vor allem eines: Verantwortung.
Kastration – damit der Kreislauf durchbrochen wird
Konsequente Kastration ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um Straßenkatzenpopulationen langfristig zu stabilisieren und weiteres Leid zu verhindern.
Einzelne Kastrationsaktionen sind wertvoll, reichen aber nicht aus. Sie müssen langfristig organisiert und möglichst flächendeckend durchgeführt werden.
Dabei sollten nicht nur offensichtlich herrenlose Tiere berücksichtigt werden. Auch unkastrierte Freigängerkatzen mit einem Zuhause können zur Vermehrung beitragen.
Betreute Futter- und Wasserstellen
„Nicht füttern“ löst kein Straßenkatzenproblem.
Wo Katzen leben, brauchen sie Nahrung und sauberes Wasser. Sinnvoll sind feste, hygienisch betreute Futterstellen.
Sie haben noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Die Tiere können beobachtet werden.
Fehlt plötzlich eine Katze? Frisst eine andere nicht mehr? Hat ein Tier eine Verletzung, verklebte Augen oder verliert auffällig an Gewicht? Gibt es neue unkastrierte Tiere oder Kitten?
Eine betreute Futterstelle ist deshalb weit mehr als ein Napf mit Futter. Sie kann zu einem wichtigen Ort der Kontrolle und Versorgung werden.
Medizinische Versorgung
Eine Straßenkatze kann nicht selbst entscheiden, einen Tierarzt aufzusuchen.
Sie kann niemandem sagen, dass eine Bisswunde unter ihrem Fell eitert, dass ihr Auge schmerzt oder dass sie seit Tagen kaum noch frisst.
Gerade Katzen ziehen sich bei Krankheit und Schmerzen häufig zurück. Viele Tiere werden deshalb erst bemerkt, wenn ihr Zustand bereits deutlich schlechter geworden ist.
Es braucht Ansprechpartner und Möglichkeiten, verletzte und erkrankte Straßenkatzen tiermedizinisch versorgen zu lassen – und zwar nicht nur dann, wenn zufällig ein Tierfreund bereit ist, die Kosten selbst zu übernehmen.
Kennzeichnung und Registrierung
Auch Kennzeichnung und Registrierung gehören zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Katzen.
Sie ermöglichen es, entlaufene oder freilaufende Katzen einem Halter zuzuordnen und tatsächlich herrenlose Tiere besser zu erkennen.
Vor allem aber beginnt Verantwortung bereits beim eigenen Tier.
Wer seiner Katze Freigang ermöglicht, trägt auch Verantwortung dafür, dass sie nicht zur weiteren unkontrollierten Vermehrung beiträgt.
Tierschützer unterstützen statt behindern
Vieles von dem, was heute für Straßenkatzen getan wird, leisten Tierschutzvereine und Privatpersonen.
Sie fangen Tiere ein, organisieren Kastrationen, betreuen Futterstellen, bringen verletzte Katzen zum Tierarzt, ziehen verwaiste Kitten auf und tragen häufig einen erheblichen Teil der Kosten.
Diese Menschen sollten Unterstützung erfahren.
Denn ehrenamtlicher Tierschutz kann auf Dauer nicht das auffangen, wofür eigentlich funktionierende Strukturen notwendig wären.
Städte und Gemeinden müssen Verantwortung übernehmen
Straßenkatzen sind kein Problem, das sich irgendwann von selbst erledigt.
Ohne Kastration werden neue Tiere geboren. Ohne betreute Futterstellen bleibt die Versorgung dem Zufall überlassen. Ohne medizinische Hilfe werden Krankheiten und Verletzungen nicht behandelt.
Deshalb braucht es langfristige Konzepte, an denen sich Gemeinden, zuständige Behörden, Tierärzte und Tierschutzorganisationen gemeinsam beteiligen.
Gerade in touristischen Regionen gehören für mich auch Hotels und Ferienanlagen dazu.
Wenn Katzen auf einem Gelände leben und dort zum alltäglichen Bild gehören, kann die dauerhafte Lösung nicht einfach lauten:
„Bitte nicht füttern.“
Natürlich müssen Hygiene und ein geordnetes Zusammenleben berücksichtigt werden. Aber wer das Füttern untersagt, sollte gleichzeitig die Frage beantworten können:
Wer kümmert sich stattdessen?
Wer sorgt für Wasser und Futter? Wer lässt kastrieren? Wer bemerkt ein krankes Tier? Wer handelt bei einer Verletzung? Und wer kümmert sich weiter, wenn die Urlaubssaison vorbei ist?
Und nicht nur „im Süden“
Bei all dem dürfen wir nicht den Fehler machen, ausschließlich auf andere Länder zu zeigen.
Auch in Deutschland leben Straßenkatzen und verwilderte Hauskatzen. Auch hier organisieren Tierschutzvereine und engagierte Privatpersonen Kastrationen und Futterstellen, kümmern sich um kranke Tiere und kämpfen mit Kosten und Zuständigkeitsfragen.
Die Zahl und Sichtbarkeit der Tiere mögen sich unterscheiden.
Verantwortung darf aber nirgendwo davon abhängen, ob zufällig ein Mensch hinsieht und bereit ist, selbst zu handeln und zu bezahlen.
Straßenkatzen brauchen kein Mitleid für einen Moment.
Sie brauchen langfristige Lösungen.
Kastration. Versorgung. Medizinische Hilfe. Kontrolle. Zusammenarbeit. Und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Denn Straßenkatzen haben dieses Problem nicht verursacht.
Wir Menschen haben es entstehen lassen – und deshalb liegt es auch an uns, es zu lösen.