Vermehrung – wenn aus wenigen immer mehr werden
Ein wesentlicher Grund für das große Leid von Straßenkatzen ist ihre unkontrollierte Vermehrung.
Katzen können bereits in sehr jungem Alter geschlechtsreif werden. Eine unkastrierte Katze kann mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen – und ihre weiblichen Nachkommen können schon wenige Monate später selbst wieder Junge zur Welt bringen.
So entsteht ein Kreislauf, der sich ohne konsequente Kastration immer weiter fortsetzt.
Eine vereinfachte Vermehrungspyramide
Nehmen wir als einfaches Beispiel an, jede weibliche Katze bekommt drei weibliche Jungtiere, die später ebenfalls jeweils drei weibliche Nachkommen bekommen:
1 Katze
↓
3 weibliche Nachkommen
↓
9 weibliche Nachkommen
↓
27 weibliche Nachkommen
↓
81 weibliche Nachkommen
↓
243 weibliche Nachkommen
Und dabei betrachten wir ausschließlich die weiblichen Nachkommen – die zusätzlich geborenen Kater sind in dieser Darstellung noch gar nicht enthalten.
Diese Pyramide ist bewusst ein vereinfachtes Rechenbeispiel und keine Vorhersage darüber, wie sich eine reale Straßenkatzenpopulation tatsächlich entwickelt. Nicht jede Katze bekommt gleich viele Junge und vor allem überleben längst nicht alle geborenen Kitten.
Doch genau darin liegt eine besonders traurige Wahrheit.
Dass solche theoretischen Zahlen in der Realität nicht erreicht werden, bedeutet nicht, dass das Problem kleiner ist. Es bedeutet auch, dass viele dieser Tiere vorher sterben.
Jungtiere erkranken, verhungern, werden von Parasiten geschwächt oder überleben Infektionen nicht. Andere fallen dem Straßenverkehr zum Opfer. Erwachsene Tiere sterben an unbehandelten Krankheiten und Verletzungen – während gleichzeitig immer neue Kitten geboren werden.
Die hohe Sterblichkeit reguliert das Problem deshalb nicht auf eine Weise, die wir akzeptieren sollten.
Sie ist selbst ein Teil des Leids.
Warum Kastration so entscheidend ist
Eine hungrige Katze zu füttern ist wichtig. Eine Schale Wasser kann gerade in heißen Regionen lebensnotwendig sein.
Aber Füttern allein beendet diesen Kreislauf nicht.
Nachhaltiger Tierschutz muss deshalb immer auch bedeuten, weitere unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.
Jede kastrierte Katze kann keine weiteren Würfe mehr bekommen. Werden Kastrationen konsequent, langfristig und möglichst flächendeckend durchgeführt, können Populationen stabilisiert und langfristig reduziert werden.
Und Kastration bewirkt noch mehr. Weniger Fortpflanzungsdruck kann auch weniger Konkurrenz, weniger Paarungskämpfe und damit weniger Verletzungen bedeuten.
Es geht dabei nicht darum, Straßenkatzen „wegzuschaffen“.
Es geht darum, die bereits vorhandenen Tiere möglichst gut zu versorgen und gleichzeitig zu verhindern, dass immer neue Generationen in ein Leben hineingeboren werden, in dem es an Futter, medizinischer Versorgung, Schutz und menschlicher Verantwortung fehlt.
Denn kein Kitten sollte geboren werden, nur um wenige Wochen oder Monate später an Hunger, Krankheit oder einer unbehandelten Infektion zu sterben.
Kastration bedeutet Verantwortung für die Tiere, die bereits da sind – und verhindert das Leid derer, die sonst noch folgen würden.