Katzenseuche – eine Krankheit, die oft unterschätzt wird Teil 1
Teil 1
Die Katzenseuche, auch Feline Panleukopenie (FPV) oder umgangssprachlich Parvovirose der Katze genannt, gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten bei Katzen.
Verursacht wird sie durch das Feline Parvovirus (FPV) – ein äußerst widerstandsfähiges Virus, das sich rasch verbreitet und vor allem ungeimpfte Katzen sowie Kitten lebensbedrohlich erkranken lassen kann.
Dank der heutigen Impfungen ist die Erkrankung deutlich seltener geworden als früher. Dennoch kommt sie nach wie vor vor – insbesondere bei ungeimpften Katzen, in Tierheimen, Pflegestellen, Zuchten oder im Auslandstierschutz.
Das Tückische an der Katzenseuche ist, dass eine Katze nicht einmal direkten Kontakt zu einer kranken Katze haben muss, um sich anzustecken. Das Virus kann über viele Monate in der Umgebung überleben und unbemerkt über Schuhe, Kleidung oder Gegenstände weitergetragen werden.
Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Überlebenschancen.
Was ist die Katzenseuche?
Die Katzenseuche ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die hauptsächlich den Darm, das Knochenmark und damit das Immunsystem befällt.
Das Virus greift besonders schnell teilende Körperzellen an. Dadurch werden vor allem:
die Darmschleimhaut,
die weißen Blutkörperchen,
das Knochenmark
und bei ungeborenen oder sehr jungen Kitten auch Teile des Nervensystems
geschädigt.
Der starke Rückgang der weißen Blutkörperchen ist namensgebend für die Erkrankung. Der medizinische Begriff Panleukopenie bedeutet übersetzt "Mangel an allen weißen Blutkörperchen".
Dadurch verliert der Körper einen wichtigen Teil seiner Immunabwehr und kann Krankheitserreger kaum noch bekämpfen.
Der Erreger
Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Feline Parvovirus (FPV).
Es gehört zur Familie der Parvoviren und zählt zu den widerstandsfähigsten Viren überhaupt.
Das Virus ist außergewöhnlich robust und kann:
große Hitze überstehen,
Frost überstehen,
Austrocknung überleben
und über viele Monate, teilweise sogar länger als ein Jahr, in der Umgebung infektiös bleiben.
Viele herkömmliche Reinigungsmittel können das Virus nicht zuverlässig abtöten. Deshalb spielt die richtige Desinfektion eine entscheidende Rolle.
Welche Katzen sind besonders gefährdet?
Grundsätzlich kann jede Katze an Katzenseuche erkranken.
Besonders gefährdet sind jedoch:
ungeimpfte Katzen,
Katzen mit unvollständigem Impfschutz,
Katzenwelpen (Kitten),
Katzen aus Tierheimen,
Katzen aus dem Auslandstierschutz,
Straßenkatzen,
Katzen in Mehrkatzenhaushalten,
Zuchtkatzen,
Katzen mit geschwächtem Immunsystem,
alte oder chronisch kranke Tiere.
Auch reine Wohnungskatzen sind nicht automatisch geschützt.
Wie erfolgt die Ansteckung?
Die Katzenseuche gehört zu den ansteckendsten Erkrankungen bei Katzen.
Eine infizierte Katze scheidet das Virus in großen Mengen aus – vor allem über:
Kot,
Urin,
Speichel,
Nasensekret,
Erbrochenes.
Bereits kleinste Virusmengen reichen aus, um andere Katzen anzustecken.
Besonders problematisch ist, dass Katzen das Virus bereits ausscheiden können, bevor sie deutliche Krankheitsanzeichen zeigen.
Direkte Ansteckung
Die direkte Übertragung erfolgt beispielsweise durch:
gegenseitiges Beschnuppern,
Ablecken,
gemeinsamen Kontakt,
gemeinsames Benutzen von Katzentoiletten,
gemeinsames Fressen oder Trinken,
engen Körperkontakt.
Vor allem in Mehrkatzenhaushalten oder Tierheimen kann sich das Virus deshalb sehr schnell verbreiten.
Indirekte Ansteckung
Noch häufiger erfolgt die Übertragung indirekt.
Das Virus kann unter anderem haften an:
Schuhen,
Kleidung,
Händen,
Transportboxen,
Katzentoiletten,
Näpfen,
Bürsten,
Decken,
Spielzeug,
Käfigen,
Tierarztinstrumenten.
Auch Menschen selbst erkranken zwar nicht, können das Virus jedoch unbeabsichtigt von einem Ort zum anderen tragen.
So kann selbst eine reine Wohnungskatze infiziert werden.
Wie lange überlebt das Virus?
Das Feline Parvovirus gehört zu den langlebigsten Viren überhaupt.
Je nach Umgebung kann es:
viele Monate,
teilweise sogar länger als ein Jahr
ansteckend bleiben.
Normale Haushaltsreiniger reichen meist nicht aus.
Deshalb müssen bei einem Ausbruch spezielle, gegen Parvoviren wirksame Desinfektionsmittel verwendet werden.
Inkubationszeit
Als Inkubationszeit bezeichnet man den Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome.
Bei der Katzenseuche beträgt sie meist:
2 bis 10 Tage.
Während dieser Zeit wirkt die Katze oft noch gesund, kann das Virus jedoch bereits ausscheiden und andere Katzen anstecken.
Symptome
Die Erkrankung beginnt häufig plötzlich.
Typische erste Anzeichen sind:
Fieber,
starke Müdigkeit,
Teilnahmslosigkeit,
Appetitlosigkeit,
Rückzug,
Erbrechen,
Durchfall,
Bauchschmerzen.
Viele Katzen wirken innerhalb weniger Stunden schwer krank.
Im weiteren Verlauf können auftreten:
blutiger Durchfall,
anhaltendes Erbrechen,
starke Austrocknung,
Gewichtsverlust,
Untertemperatur,
Kreislaufprobleme,
Schock.
Vor allem Kitten können innerhalb sehr kurzer Zeit lebensbedrohlich erkranken.
Warum ist die Krankheit so gefährlich?
Die Katzenseuche schädigt nicht nur den Darm.
Durch die Zerstörung der weißen Blutkörperchen wird das Immunsystem massiv geschwächt.
Dadurch haben Bakterien leichtes Spiel und können zusätzliche schwere Infektionen verursachen.
Gleichzeitig führen Erbrechen und Durchfall oft zu einem erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust.
Besonders junge, alte oder geschwächte Katzen können dadurch innerhalb kurzer Zeit in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten.
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.
Wie wird Katzenseuche festgestellt?
Bereits die Krankheitsgeschichte und die typischen Symptome können den Verdacht auf Katzenseuche wecken.
Zur Absicherung kommen verschiedene Untersuchungen zum Einsatz.
Allgemeine Untersuchung
Der Tierarzt beurteilt unter anderem:
Allgemeinzustand,
Körpertemperatur,
Flüssigkeitshaushalt,
Schleimhäute,
Bauchschmerzen,
Kreislauf.
Blutuntersuchung
Ein Blutbild zeigt häufig einen starken Abfall der weißen Blutkörperchen.
Dieser Befund ist typisch für die Erkrankung und unterstützt die Diagnose.
Kot-Schnelltest
Mit einem Schnelltest kann das Virus direkt im Kot nachgewiesen werden.
Dabei ist jedoch zu beachten:
Frisch geimpfte Katzen können für kurze Zeit ebenfalls positiv testen, ohne tatsächlich erkrankt zu sein.
Deshalb beurteilt der Tierarzt das Testergebnis immer gemeinsam mit den Symptomen und der Vorgeschichte.
PCR-Test
Bei unklaren Fällen kann zusätzlich eine PCR-Untersuchung im Labor durchgeführt werden.
Sie gilt als besonders empfindlich und ermöglicht einen sehr zuverlässigen Nachweis des Virus