Straßenkatze gefunden – was kann ich tun?
Im Urlaub, auf einem Spaziergang oder vielleicht sogar vor der eigenen Haustür: Plötzlich sitzt dort eine Katze und irgendetwas stimmt nicht.
Sie wirkt sehr dünn, hat verklebte Augen, eine Verletzung, humpelt oder sitzt ungewöhnlich teilnahmslos da.
Und sofort stellt sich die Frage:
Soll ich eingreifen – und wenn ja, wie?
Erst beobachten
Nicht jede Straßenkatze benötigt sofort Hilfe.
Einige Tiere leben schon lange draußen, kennen ihre Umgebung und kommen dort durchaus zurecht. Auch eine scheue Katze ist nicht automatisch krank oder hilflos.
Schauen Sie deshalb zunächst genau hin.
Wie bewegt sich die Katze? Ist sie aufmerksam? Reagiert sie auf ihre Umgebung? Frisst und trinkt sie? Wirkt ihr Fell gepflegt? Gibt es sichtbare Verletzungen oder deutliche Krankheitszeichen?
Manchmal lohnt es sich auch, Einheimische, Hotelmitarbeiter oder Menschen in der Umgebung zu fragen. Vielleicht ist die Katze bekannt und wird bereits regelmäßig versorgt.
Wann sollte ich handeln?
Bei deutlichen Anzeichen von Krankheit oder Verletzung sollte eine Katze nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- starke oder anhaltende Blutungen
- größere oder offensichtlich entzündete Wunden
- starke Schwellungen
- verletzte oder massiv verklebte Augen
- Atemprobleme
- erhebliche Probleme beim Laufen
- starke Abmagerung oder Schwäche
- ungewöhnliche Teilnahmslosigkeit
- Orientierungslosigkeit
- ein Tier, das kaum noch reagiert
- sehr junge, offensichtlich unversorgte oder geschwächte Kitten
Im Zweifel ist es besser, fachlichen Rat einzuholen, als eine ernsthafte Erkrankung zu übersehen.
Hilfe vor Ort suchen
Versuchen Sie, einen Tierarzt, eine Tierklinik oder eine örtliche Tierschutzorganisation zu erreichen.
Gerade im Ausland können auch Einheimische eine große Hilfe sein. Fragen Sie im Hotel, in einem Restaurant, in einer Apotheke oder bei anderen Menschen vor Ort nach einem Tierarzt oder einer Tierschutzorganisation.
Vielleicht gibt es bereits jemanden, der die Katzen in diesem Gebiet betreut.
Und lassen Sie sich nicht sofort entmutigen, wenn die erste Anfrage ins Leere läuft.
Manchmal braucht es mehrere Versuche, bis man den richtigen Ansprechpartner findet.
Denken Sie auch an Ihre eigene Sicherheit
Eine verletzte oder kranke Katze kann Schmerzen und große Angst haben.
Selbst ein normalerweise freundliches Tier kann in einer solchen Situation kratzen oder beißen. Das ist keine Undankbarkeit und keine Aggression im menschlichen Sinne – es kann schlicht der Versuch eines verängstigten Tieres sein, sich zu schützen.
Fassen Sie ein unbekanntes Tier deshalb nicht unnötig mit bloßen Händen an.
Wenn ein Transport notwendig ist, sollte möglichst eine sichere Transportbox oder -tasche verwendet werden. Ein Handtuch oder eine Decke kann in manchen Situationen helfen, ein Tier vorsichtig aufzunehmen – vorausgesetzt, dies ist ohne unnötige Gefahr für Mensch und Tier möglich.
Nach einem Biss oder Kratzer sollte die Wunde sofort gründlich gereinigt werden. Je nach Verletzung und Reiseland kann außerdem eine zeitnahe medizinische Abklärung notwendig sein.
Futter und Wasser können erste Hilfe sein
Sauberes Wasser ist besonders bei hohen Temperaturen wichtig.
Auch etwas geeignetes Katzenfutter kann einer hungrigen oder geschwächten Katze zunächst helfen.
Doch Füttern allein löst das eigentliche Problem nicht.
Wenn Sie eine Katze regelmäßig füttern oder feststellen, dass an einem Ort viele Katzen leben, versuchen Sie herauszufinden, ob bereits eine betreute Futterstelle oder ein Kastrationsprojekt existiert.
Nachhaltige Hilfe entsteht am besten dort, wo Versorgung und Kastration miteinander verbunden werden.
Muss ich die Katze mitnehmen?
Nein.
Helfen bedeutet nicht automatisch adoptieren.
Eine Straßenkatze kann ein festes Revier haben, zu einer bestehenden Katzengruppe gehören und mit einem Leben in engem Kontakt zum Menschen möglicherweise überhaupt nicht zurechtkommen.
Ein Tier aus seiner gewohnten Umgebung herauszunehmen, ist deshalb nicht automatisch die beste Lösung.
Anders kann die Situation bei ausgesetzten oder entlaufenen Haustieren, sehr jungen Kitten, schwer kranken Tieren oder Katzen sein, die auf der Straße dauerhaft nicht mehr zurechtkommen.
Jede Situation sollte individuell betrachtet werden.
Und wer darüber nachdenkt, ein Tier aus dem Ausland mit nach Hause zu nehmen, sollte sich unbedingt rechtzeitig über die geltenden tiermedizinischen und rechtlichen Einreisebestimmungen informieren. Eine spontane Mitnahme ist nicht immer möglich.
„Aber ich kann doch nicht alle retten.“
Nein.
Das kann niemand.
Sie müssen nicht jede Straßenkatze aufnehmen, sämtliche Tierarztkosten bezahlen oder das Problem einer ganzen Region lösen.
Aber zwischen „Ich kann nicht allen helfen“ und „Ich kann gar nichts tun“ liegt sehr viel.
Vielleicht können Sie Wasser bereitstellen.
Vielleicht können Sie einen Tierarzt anrufen.
Vielleicht können Sie eine Tierschutzorganisation informieren.
Vielleicht können Sie ein Foto und den genauen Aufenthaltsort weitergeben.
Vielleicht können Sie sich an Behandlungskosten beteiligen.
Oder vielleicht können Sie tatsächlich ein verletztes Tier zum Tierarzt bringen.
Entscheidend ist nicht, alles zu können.
Entscheidend ist, nicht automatisch wegzusehen.
Denn für eine einzelne Straßenkatze kann genau dieser eine Mensch, der stehen bleibt und genauer hinschaut, den Unterschied machen.
Manchmal zwischen Hunger und einer Mahlzeit.
Zwischen Schmerzen und Behandlung.
Vielleicht sogar zwischen Leben und Tod.
Und manchmal beginnt eine solche Geschichte ganz unscheinbar.
Mit einem kleinen schwarz-weißen Kater, der krank und nahezu regungslos vor einem Apartment sitzt.
Sein Name ist Yakamoz.