Warum beim Tierpsychologen manchmal zuerst der Mensch „behandelt“ wird
„Mein Hund muss lernen, alleine zu bleiben.“
„Meine Katze soll aufhören, mich anzufauchen.“
„Mein Hund muss endlich entspannter an anderen Hunden vorbeigehen.“
Wer sich an einen Tierpsychologen wendet, möchte verständlicherweise etwas am Verhalten seines Tieres verändern.
Und dann passiert etwas Merkwürdiges.
Plötzlich reden wir ganz viel über den Menschen.
Über Tagesabläufe, Reaktionen, Erwartungen, Gewohnheiten und darüber, was wir vielleicht jeden Tag tun, ohne groß darüber nachzudenken.
Warum?
Weil Verhalten nicht im luftleeren Raum entsteht.
Ein Hund oder eine Katze reagiert auf die Umgebung, auf Erfahrungen, auf Bedürfnisse – und natürlich auch auf uns. Auf unsere Körpersprache, unsere Konsequenz oder Inkonsequenz, unsere Stimmung und darauf, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen.
Das bedeutet nicht, dass der Mensch „schuld“ am Verhalten seines Tieres ist.
Es bedeutet aber, dass wir Menschen einen entscheidenden Vorteil haben. Wir können verstehen, reflektieren und ganz bewusst etwas verändern.
Manchmal braucht ein Tier tatsächlich gezieltes Training. Manchmal müssen zunächst Schmerzen oder andere körperliche Ursachen ausgeschlossen werden. Und manchmal verändert sich erstaunlich viel, wenn der Mensch beginnt, Situationen anders zu gestalten, Signale früher zu erkennen oder seine Erwartungen anzupassen.
Tierpsychologische Beratung bedeutet deshalb für mich nicht nur:
Wie verändern wir das Verhalten des Tieres?
Sondern mindestens genauso sehr:
Was können wir Menschen verändern, damit unser Tier sich anders verhalten kann?
Vielleicht sitzt bei einer tierpsychologischen Beratung also tatsächlich manchmal der „falsche“ Patient vor mir.
Oder eben genau der richtige.