Viel Reden, wenig zuhören

Wir reden viel mit unseren Tieren.


Wir erklären, loben, schimpfen, bitten, trösten.
Oft glauben wir, dass Worte Nähe schaffen – und manchmal tun sie das auch.
Aber in Wahrheit sprechen Tiere eine ganz andere Sprache.

Hunde, Katzen und andere Tiere hören nicht auf das, was wir sagen, sondern auf das, was zwischen den Worten geschieht.
Auf unsere Körperspannung, unsere Atmung, unseren Blick, unsere Energie.
Sie lesen das, was wir fühlen, nicht das, was wir formulieren.

Und genau da liegt das Missverständnis:
Wir reden, um zu überzeugen.
Tiere „hören“, um zu spüren.
Wenn wir ihnen ständig etwas sagen, ohne wirklich da zu sein,
verpassen wir den Moment, in dem echte Verbindung entsteht.

Zuhören mit allen Sinnen bedeutet, still zu werden – im Außen und im Innern.
Es heißt, wahrzunehmen, wie der Hund atmet, wie die Katze schaut, welche feinen Signale sie senden, wenn sie Nähe suchen oder Abstand brauchen.
Zuhören heißt, auch das Verhalten zu lesen – nicht zu bewerten.

Viele Konflikte zwischen Mensch und Tier entstehen nicht,
weil das Tier uns nicht versteht, sondern weil wir nicht wirklich hinhören.
Nicht auf den Körper, nicht auf die Emotion, nicht auf die leisen Zwischentöne.

Ein Tier zeigt uns, wer wir sind, wenn wir still werden.
Dann entsteht dieses besondere Gefühl, das man nicht trainieren kann, gegenseitiges Verstehen – wortlos, aber tief.

Vielleicht müssen wir gar nicht so oft reden, sondern einfach besser zuhören.